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  #1  
Alt 09.03.2007, 12:22
rootht rootht ist offline
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Standard Ich werde als Krimineller dargestellt (Markenrecht)

Hallo zusammen,

ich bin ganz neu in diesem Forum und denke dass es das richtige ist. Vielleicht kann mir ja auch jemand bei meinem Problem helfen. Ich stecke in einer sehr unangenehmen Lage, obwohl ich unschuldig bin.

Die ganze Geschichte fängt bei Ebay an...
Vor ca. 2 Wochen habe ich für mein uraltes Handy eine einzige neue Handyschale bestellt. Ich habe extra eine Handyschale bestellt, die laut Beschreibung 100% original ist. Nach dem ich den Betrag inklusive Porto per PayPal an den Händler bezahlt habe, hat der Händler meine Schale auch schon per Luftpost verschickt.
Etwa 1 Woche später bekam ich ein kleines Schreiben vom Zollamt in Kempten (Allgäu). Schliesslich bin ich zum Zollamt gelaufen und habe gefragt was eigentlich los ist. Dort hat mir ein Beamter erzählt dass mein Paket bei der Grenzkontrolle geöffnet wurde. Irgendein Beamter dachte dass es sich um eine gefälschte Handyschale handelt und hat diese Schale zum Hersteller nach Schweden geschickt.
Am selben Tag als ich zum Zollamt gelaufen bin, habe ich ein Einschreiben mit Rückschein von der Anwaltskanzlei Göhmann aus Hannover bekommen.

In diesem Schreiben stand dass die Anwälte die Handyschale zur Prüfung nach Schweden zum Hersteller (Sony Ericsson) geschickt haben. Falls es sich bei diesem Produkt um eine Fälschung handelt, sollte ich eine Vollmacht zur Vernichtung dieser Handyschale unterschreiben. Ansonsten würden die Anwälte gerichtliche Schritte gegen mich einleiten. Diese Vollmacht war bereits bei dem ersten Schreiben der Anwälte dabei.
Ich zeigte dieses Schreiben beim Zoll dem Beamten und der erklärte mir, dass ich nur die Vollmacht unterschreiben soll und dass ich danach Ruhe habe. Zwar ist das bezahlte Geld weg, aber ich bekomme keine Probleme, da ich mit der Vernichtung einverstanden bin.

Schliesslich habe ich diese Vollmacht zur Vernichtung der Schale unterschrieben und noch rechtzeitig an die Kanzlei per Fax gesendet. So wie die Anwälte es im Brief von mir verlangt haben. Die Frist war natürlich extrem gering. Ich hatte lediglich ca. 4-5 Tage um die Vollmacht unterschrieben an die Anwälte zu senden. Ich habe die Vollmacht an einem Sonntag per Fax an die Kanzlei gesendet. Der darauf folgende Montag war sowieso der letzte Tag dieser kleinen Frist.

Doch bereits am Dienstag bekam ich schon den zweiten Brief von der Kanzlei. Ebenfalls per Einschreiben mit Rückschein. Ich wunderte mich, warum das so schnell geht...
Das zweite Schreiben war sehr dick und schwer. Dort teilte man mir mit dass es sich bei dieser Handyschale angeblich doch um eine Fälschung handelt. Man hätte die Schale in Schweden geprüft.
Der ganze Brief war voller Paragrafen die ich sowieso nicht verstanden habe. Nach den 2 Seiten voller Paragrafen, kamen erstmal ca. 20-30 Seiten voller kopierter Lizenzen der Firma Sony Ericsson. Darunter auch eine Abbildung der originalen Handyschale. Doch vergleichen konnte ich die Schale sowieso nie, da ich diese niemals zu Gesicht bekommen habe.

Auf der letzten Seite war eine große Rechnung über genau 1323,40 EUR.
In der Rechnung wurde mir folgendes berechnet :


Gegenstandswert : 25.000 EURO
1,3 Geschäftsgebühr gem. Nr. 2300 VV, §§ 13, 14 RVG 891,80 EUR
Erhöhung gem. Nr. 1008 VV, § 7 RVG 411,60 EUR
Gebühr für Post gem. Nr. 7002 VV (Pauschal) 20,00 EUR

GESAMT: 1323,40 EUR

Was das alles bedeuten soll weiss ich nicht. Ich war erstmal wirklich schockiert als ich diese extrem hohe Rechnung erhalten habe. Ich habe für mein uraltes Sony Ercisson Handy einfach nur eine neue Schale bestellt, da meine alte total verkratzt war. Für diese Schale habe ich ca. 10 EUR bezahlt.
Wegen dieser blöden Schale muss ich jetzt 1323,40 EUR zahlen?

In dem zweiten Schreiben werde ich als ein krimineller dargestellt. Mir wird gedroht falls ich nochmal solch eine Schale bestelle, dann muss ich 10.000 EUR bezahlen (Gegenstandswert beim nächstenmal 100.000 EUR).
Ich werde hingestellt, als würde ich die Schalen massenweise bestellen und hier in Deutschland illegal weiter verkaufen. Dabei habe ich lediglich eine einzige blöde plastik Schale bestellt.

In dem zweiten Schreiben werde ich zudem auch noch aufgefordert, eine Art Vertrag zu unterschreiben, indem ich diese Kosten akzeptiere und verspreche den Kontakt des Händlers preiszugeben. Selbstverständlich soll ich auch versprechen es nie wieder zu tun usw...

Ich finde das mehr als eine dreiste Abzocke. Ich weiss nicht ob ich dieses Schreiben unterschreiben soll. Denn schliesslich will ich es nicht akzeptieren diese hohe Rechnung zu bezahlen. Ich habe doch nichts falschen getan. Ich konnte doch nicht wissen, dass es sich um eine gefälschte Ware handelt. Es stand ja überall, dass es 100% original ist.
Außerdem besteht der Händler bis heute darauf, dass alles original ist. Ich habe diese Geschichte selbstverständlich auch dem Händler geschrieben. Doch der sagt immer wieder dass alles original ist. Er behauptet dass er meine Emails die ich ihm geschrieben habe, zu Sony Ericsson nach Honk Kong weiter leitet.
Die Handyschale kam aus Honk Kong. Aber wie ich schon sagte, der Händler behauptet immer und immer wieder dass alles original ist.
Ob es stimmt oder nicht ist mir relativ egal. Ich konnte jedenfalls nicht wissen dass es gefälscht ist. Ich bin wirklich davon ausgegangen dass ich ein original Produkt bestellt. Ich habe extra bei Ebay nach einem original gesucht. Ich wollte selber keine Fälschung haben...
Außerdem betreibt dieser Händler sein Geschäft mit sämtlichem Handy-Zubehör seit ca. 4 Jahren und er hat bis jetzt mehrere tausende positive Bewertungen. Bis jetzt hat er noch niemals ein Problem mit dem Zoll gehabt, obwohl er monatlich mehrere Schalen auch nach Deutschland schickt. Er ist bei Ebay ein Power Seller mit 99,6 % positiven Bewertungen. Die wenigen negativen Bewertungen sind nur deshalb, weil es bei einigen Kunden wohl zu lange gedauert hat bis die Ware angekommen ist...

Sollte es sich also wirklich um gefälschte Ware handeln, dann glaube ich kaum dass der Händler 4 Jahren sein Geschäft mit Erfolg führt. Er müsste dann doch viele negative Bewertungen haben. Irgendjemand aus Deutschland müsste doch auch das gleiche Problem haben. Aber ich bin der einzige.

Vielleicht hatte man ja einfach nur einen Fehler bei der Überprüfung gemacht?
Was kann ich denn jetzt tun?

Ich soll ja noch dieses Schreiben unterschreiben, indem ich erkläre, dass ich mit allen Punkten einverstanden bin usw... Die Frist läuft am kommendem Montag wieder ab.
Ich bin leider ein Hartz 4 Empfänger und kann mir absolut keine große Sprünge leisten. Ich kann mir auch keinen Anwalt leisten der mir weiter hilft. Schon garnicht kann ich diese hohe Summe bezahlen. Außerdem wüsste ich auch nicht warum. Ich habe doch nichts falsches getan oder etwa doch?
Ich habe auch schon bereits mehrere Emails an diesen Anwalt geschickt, doch bis heute keine einzige Antwort erhalten. Als ich dann in der Kanzlei angerufen habe, war der Anwalt angeblich auch nicht anwesend.
Seine Sekretärin hatte mir erklärt, dass ich als Hartz 4 Empfänger dieses Schreiben unbedingt unterschreiben muss, damit ich eine Kooperation zeige und dann könnte die Kanzlei eventuell aus Kulanz von den Kosten absehen oder diese vielleicht senken. Doch das ist kein Versprechen. Vielleicht wollte Sie mich auch einfach nur los werden...
Zudem sagte mir die Sekretärin noch, dass ich im Zivilrecht tatsächlich unschuldig bin, weil ich davon nicht gewusst habe und es auch nicht wissen konnte. Aber da es sich hierbei um ein Markenrecht handelt, habe ich angeblich absolut keine Chance.

Ich habe Angst, dass wenn ich das Schreiben unterschreibe, dass ich dann absolut keine Chance mehr habe... Wenn ich es unterschreibe, dann bestätige ich ja, dass ich Schuldig bin.

Ich wäre euch wirklich sehr sehr dankbar wenn mir jemand einen Rat geben kann. Ich weiss nicht mehr weiter. Ich habe sowieso schon mehrere Probleme und Schulden. Ich kann mir keine weiteren Probleme und Schulden leisten. Es würde mich noch mehr ruinieren.

Ich kann es kaum glauben, dass solch eine große internationale Kanzlei es nötig hat, arme unschuldige Menschen auszubeuten. Für mich sieht es so aus, als wäre das eine dreiste Abzocke gegen die ich nichts machen kann.

Ich möchte jetzt ebenfalls einen Brief als Einschreiben an die Kanzlei senden. Mit sämtlichen kopien der Emails, die mir der Händler geschickt hat. In allen Emails behauptet er ja, dass alles original ist.
Denn auf dem normalen Wege antwortet mir der Anwalt nicht.
Ich will auch versuchen, die Frist für dieses Schreiben dass ich unterzeichnen soll zu verlängern. Es ist unmöglich in den kurzen Zeit alles zu klären.
Aber da bereits am kommenden Montag die Frist abläuft, weiss ich nicht was dannach auf mich zukommt.

Ich bitte alle noch einmal um Hilfe. Vielen Dank schon mal im voraus und schöne Grüße aus dem Allgäu,


Richard E.
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  #2  
Alt 09.03.2007, 18:59
alpha alpha ist offline
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Standard

Hallo Richard,

da ich selbst im schönen Allgäu lebe, werde ich hiermit versuchen Dir ein paar kleine Tipps zu geben. Da Du Hartz 4 Empfänger bist, steht Dir selbstverständlich der Beratungsschein zu. Als Empfänger dieser Leistung, bist Du natürlich auch ein Problemfall für die Gegenseite, da nichts zu holen ist. Dies könnte man ja mal der Gegenseite andeuten :-)

Folgendes würde ich schnell tun:
- Nichts unterschreiben!
- Anruf beim zuständigen Landgericht/abh. vom Wohnort und Dir schnellstmöglich einen "Beratungsschein" (Wert ca. 250,- Euro)zuschicken lassen,mit diesem zum Markenanwalt. Besser noch-hinfahren, Kontoauszüge mitnehmen und Hartz 4 Antrag-Rechtsberatungsschein gleich vor Ort genehmigen lassen (muß sonst der Anwalt erledigen!!)-spezialisierten Markenanwalt aufsuchen-die Erstberatung ist somit abgedeckt und eventuell ein paar Schreiben dazu. (Es fallen beim Anwalt lediglich symbolische 10,- Euro an/verlangt aber nicht jeder!!) Sobald es zu gerichtlichen Schritten kommen sollte, gibt es die Prozeßkostenhilfe. Hierzu soll Dich Dein Anwalt informieren!!!

Hoffe Dir ein wenig geholfen zu haben....

Viel Glück......Grüße

PS: Bei Fragen einfach jeder Zeit melden......
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  #3  
Alt 09.03.2007, 20:52
rootht rootht ist offline
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Daumen hoch Hallo Alpha!

Hallo Alpha,

erstmal vielen vielen Dank für Deine Tipps. Du hast mir auf jeden Fall geholfen. Vorher habe ich garnicht gewusst dass es so etwas wie eine Rechtshilfe für Hartz 4 Empfänger gibt.
Noch bis vor ca. 1 Jahr hatte ich eine sehr gute Rechtsschutz-Versicherung sowie einen richtigen Vollzeit Job. Damals wäre es vielleicht kein Problem gewesen einfach zum Anwalt zu gehen und sämtliche anfallenden Gebühren zu bezahlen.

Doch leider habe ich den Rechtschutz gekündigt. Es wurde mir einfach zu teuer und ich hatte in all den Jahren keinen Nutzen davon. Die Versicherung kostete mir immerhin ca. 17 eur jeden Monat.
Doch jetzt wünsche ich mir, dass ich noch immer diese Versicherung hätte...

Naja da kann man wohl nichts mehr machen... Und nachträglich neue abschliessen geht ja auch nicht :-)

Aber ich werde mich gleich nächste Woche da mal erkundigen wie das funktioniert. Doch so wie ich es verstanden habe, werde ich diesen Beratungsschein beim Landgericht Hannover genehmigen müssen oder?
Denn der Anwalt hat seinen Sitz in Hannover. Somit geht alles über das Gericht in Hannover oder?

Oder kann ich diesen Beratungsschein auch hier beim Gericht in Kempten abholen? Ich denke auch dass es besser wäre diesen Beratungsschein zuerst selber abzuholen. So wie Du es geschrieben hast. Es macht vielleicht einen besseren Eindruck wenn man dem Anwalt ein wenig Arbeit abnimmt...

Und Du denkst ich sollte das verlangte Dokument nicht unterschreiben? Der Rechtsanwalt der Gegenseite gab mir nur eine Frist bis zum kommenden Montag, den 12. März 2007.
Sollte ich das Dokument bis Montag nicht unterzeichnet haben, dann droht er mir mit weiteren gerichtlichen Schritten die wiederum für mich um einiges teurer werden. Sollte ich vielleicht zuerst um eine längere Frist bitten?

Es ist alles so verwirrend und kompliziert. Man bekommt schon beim ersten Brief von der Gegenseite Angst und ist schockiert. Man wird mit unzähligen Paragrafen beworfen und danach denkt man, dass man sowieso keine Chance mehr hat.
Und irgendwie hab ich auch schon jetzt am Anfang keine Lust mehr mich wegen einer "blöden" Plastik Handy-Schale zu streiten. Ich zahlte 10 euro für die Schale und danach wird um hunderte bzw. tausende euros gestritten...

Wie dem auch sei... Ich danke Dir noch einmal für Deine Hilfe. Ich werde mich spätestens nächste Woche noch einmal hier melden und berichten ob das mit dem Beratungsschein geklappt hat.

Vielen Dank und schöne Grüße aus der Allgäu-Metropole Kempten,

Richard.
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  #4  
Alt 09.03.2007, 21:13
alpha alpha ist offline
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Beiträge: 14
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Hallo Richard,

müßtest dann zum LG Kempten. Der Beratungsschein steht Dir rechtlich zu. Den bearbeitenden Rechtspfleger einfach auch noch mal die Situation schildern und auf die Dringlichkeit verweisen. Hast Du von der Gegenseite eine Unterlassungserklärung erhalten? Oder lediglich die Rechnung mit einhergehender Androhung? Schick Dir morgen mal eine PN.......

Bin morgen wieder ab 13 Uhr online......melde mich dann noch mal..

Gruß
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  #5  
Alt 10.03.2007, 15:17
alpha alpha ist offline
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Beiträge: 14
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Hallo zusammen,

hätte bezüglich dieser Geschichte gerne noch einmal folgende Frage in die Runde gegeben...

Gibt es nicht seit 01.01.07 ein Gesetz, welches besagt, daß Anwälte eine Privatperson!! bei erstmaliger Verletzung, lediglich mit 50-100,-Euro belegen dürfen. Weiß hier jemand genaueres????

Viele Grüße...
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  #6  
Alt 12.03.2007, 22:17
msteinmetz msteinmetz ist offline
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Registriert seit: 01.03.2007
Beiträge: 18
Standard Ratschlag

Hallo!

Erstmal rate ich Ihnen, sich von der Frist nicht einschüchtern zu lassen. Nach ständiger Rechtssprechung muß eine derartige Frist angemessen sein, beispielsweise um sich anwaltlichen Rat einzuholen.

Ihren Ausführungen entnehme ich, daß Sie nicht gewerblich handeln. Das bedeutet, daß eine Markenrechtsverletzung oder eine Geschmacksmusterverletzung von Ihrer Seite nicht in Betracht kommt. Es könnte jedoch eine Urherberrechtsverletzung vorliegen. Hier wäre der Wortlaut des Schreibens, vermutlich einer Unterlassungserklärung, wichtig.

Wie von den Vorrednern schon angeführt: Unbedingt die Sache von einem Patentanwalt oder einem auf gewerblichen Rechtschutz versierten Rechtsanwalt prüfen lassen!
Eine solche Rechnung scheint mir auf den ersten Blick nicht o.k....

Gruß,
M. Steinmetz
Patentanwalt
European Patent-, Trade Mark and Design Attorney
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  #7  
Alt 14.03.2007, 11:53
Mecky Messer Mecky Messer ist offline
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Registriert seit: 12.03.2007
Beiträge: 2
Idee Nix unterschreiben !!

Hallo Rooth,

wenn der Sachverhalt genau so ist wie von dir beschrieben, dann hast du in der Tat nicht im geschäftlichen Verkehr gehandelt und Ansprüche aus Markenrecht oder Geschmacksmusterrecht bestehen gegen dich nicht. Auch kann hier ein Anspruch nicht auf das Urheberrecht gestützt werden, da die Handyoberschale sicher nicht schutzfähig im Sinne des Urheberrechts ist.

Damit erscheint das beschriebene Vorgehen der Anwälte aus standesrechtlichen als auch anderen (straf)gesetzlichen Bestimmungen bedenklich.

Du solltest auf keinen Fall irgendeine der abverlangten Erklärungen unterschreiben, sondern lediglich antworten, dass die gegen dich gerichteten Forderungen keine Berechtigung haben. Die Sache sollte mit der Zustimmung zur Vernichtung erledigt sein. (Es sieht ja so aus, dass du selber immer von einem Original ausgegangen bist und die Behauptung des Gegenseite, dass es eine Fälschung sei, lediglich aus Wirtschaftlichkeitserwägungen (10EUR) nicht angefochten hast.)

Weiter solltest du die Sache der zuständigen Rechtsanwaltskammer zur Kenntnis bringen und darum bitten, dass sich die dort zuständige Abteilung für Standesrecht mit der Angelegenheit beschäftigt und wenigstens rügt.

Last but not least, solltest du dir überlegen, ob du die Angelegenheit bei der Polizei zur Anzeige bringen willst, da - vorsichtig ausgedrückt - das Verhalten der Anwälte rechtlich mehr als fragwürdig erscheint (denkbar wären hier Prüfung des Vorliegens von Betrug und/oder Erpressung).

Gruß, Mecky
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  #8  
Alt 14.03.2007, 23:34
msteinmetz msteinmetz ist offline
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Registriert seit: 01.03.2007
Beiträge: 18
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"da die Handyoberschale sicher nicht schutzfähig im Sinne des Urheberrechts ist"

da wäre ich aber gaaaaanz vorsichtig...Dies ist nur im Einzelfall zu beurteilen.

Gruß,
M. Steinmetz
Patentanwalt
European Patent-, Trade Mark and Design Attorney
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  #9  
Alt 03.11.2008, 18:24
tina_flash tina_flash ist offline
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Registriert seit: 16.10.2008
Beiträge: 1
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Hallo Expertenforum!

Ich habe nun genau das gleiche Problem, nur handelt es sich bei mir um ein Headset der Marke Sony. Das Prozedere war wie bei Richard, und vor drei Wochen erhielt ich die Rechnung über 1460,20EURO Anwaltskosten.
Leider war ich nicht clever genug, mich sofort über meine eigene Rechtslage schlau zu machen, sondern rief lieber solgeich in der Kanzlei an, um dort nachzufragen.
Die Sekretärin, die für Ihren im Urlaub befindlichen Chef sehr verständnisvoll mit mir sprach, machte mir die Zusage, dass sich die Kosten auf 1000EURO reduzieren würden, wenn ich sogleich das vorbereitete Formular mit der Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung unterschrieben zurückschicken würde.
Nun, eingeschüchtert, wie ich war, tat ich das wirklich, schrieb dazu aber noch einen persönlichen Brief an Ihren Chef, in dem ich ihn von meinen lauteren Absichten zu überzeugen versuchte, auf meine Unkenntnis und Naivität hinwies und sozusagen um Nachlass bat.
Heute endlich hab ich dann -nach wiederholten Anrufversuchen- endlich eine erneute Information von der Sekretärin erhalten, nämlich dass Sie Ihren Chef überzeugen konnte, der anscheinend wiederum mit Sony in dieser Sache verhandelt habe, die Schadensforderung mir gegenüber auf 400 EURO herab zu senken....

Klar, 400EURO sind schon viel besser, aber immer noch eine immense Summe für jemanden, der keineswegs im Sinn hatte, irgendeinen Betrug zu verüben. Jetzt bin ich mir unsicher, ob ich die Sachlage wirklich lieber so hinnehmen sollte, oder ob es noch irgendeine Chance für mich gibt, obwohl ich jenes Dokument ja schon unterzeichnet habe.
Bei meiner Suche diesbezüglich bin ich dann gerade eben auch auf diesen Artikel gestoßen und wollte mal fragen, ob das ebenso in meinem Falle gilt:
der am 1. September 2008 in Kraft getretene § 97a Abs. 2 UrhG, dass der (zu Recht) Abgemahnte "in einfach gelagerten Fällen" und "außerhalb des geschäftlichen Verkehrs" Anwaltskosten nur bis zu einer Höhe von 100 Euro tragen muss.

Für eine Antwort bedanke ich mich bereits im Vorfeld sehr herzlich!!!
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  #10  
Alt 07.11.2008, 16:39
heymel heymel ist offline
Benutzer
 
Registriert seit: 11.09.2006
Ort: Köln
Beiträge: 32
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Liebe Leute,

auch ich kann hier nur dringend empfehlen, einen fachkundigen Rat von einem spezialisierten Rechts- oder Patentanwalt einzuholen.

Es kann durchaus sein, dass die in den geschilderten Fällen geltend gemachten Kostenerstattungsansprüche in keiner Weise gerechtfertigt sind. Markenrechtliche Ansprüche greifen grundsätzlich nur im geschäftlichen Verkehr. Urheberrechtliche Ansprüche bedürfen besonderer Voraussetzungen. Das ganze zuverlässig zu beurteilen bedarf aber in jedem Fall einer genauen Prüfung des Einzelfalls.

Also viel Erfolg.

RA Heymel
www.markenschutz-infos.de
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